"Lost in Deutschland" vorher

Dieses Blog begann auf Deutsch - im Archiv befinden sich eine ganze Reihe von Texten über das Engländersein in Deutschland - von 2008 bis 2011 sortiert. 2008-2009 wurden zudem Video-Berichterstattungen auf Deutsch zum Thema hier veröffentlicht.

Friday, 18 January 2008

Scheissregeln-Scheisshumour

Stereotypen sind in der Tat oft auf eine tatsächliche Begründung zurückzuführen.

Woher ich das weiß? Naja, ich habe in Frankreich gewohnt, und die Franzosen kommen tatächlich spät zu jeder Verabredung, rauchen in viel höherem Maß als andere Nationen, und küssen alles, was bewegt.

Und ich habe auch in Deutschland gewohnt. Wobei ich da habe feststellen müssen, das so mancher britischer Stereoptyp zu den Deutschen gar nicht stimmt (diese Stereotype brauche ich ja gar nicht aufzuführen).

Allerdings steht folgender Stereotyp auf jeden Fall fest: die Deutsche Humour ist... äh... esoterisch.

Nun lacht man in Deutschland oft genug an genau der Stelle, wo ein Engländer auch lachen würde: Ironie, Karikatur, die grenzlose Dummheit der Mensch. Alles finden Engländer, Deutsche, Franzose - eigentlich so ziemlich alle Menschen - scheißlustig. Aber die Deutsche lachen ja auch, wo der Engländer zurückscheuen, ja sogar kotzen würde.

Der Tod findet man lustig hier, zum Beispiel.





Und das Klo findet man sauwitzig. Beziehungsweise alles was sich darin befindet: Pisse, Scheiße, verlorene Trauringe. Überall redet man (nicht nur) Scheiße: bei Verabredungen mit Freunden, am Tisch mit Kollegen, zu Hause mit der Familie - nach Belieben auch bei Tisch.

Dabei sagt man nicht nur 'Scheiße' - da habe ich nichts gegen - sondern spricht ausführlichst davon. Und vom Klo, und was da zu machen ist. Und wie man das zu reinigen hat nachher. Und was passieren kann, wenn dies nicht der Fall sein sollte (höre ich noch einmal "Frauen können sich nämlich so was leicht einfangen", so kotze ich sofort: seid gewarnt!). Man will sogar, dass ich im Pinkeln sitze. Wie bitte?

Naja, ich merke schon, dass ich jetzt in Deutschland halt in der Minorität bin in dieser Hinsicht, und muß mich einfach so langsam darauf einstellen (man betone hier allerdings 'langsam').

Da, wo ich mich aber am Klo hierzulande setzen muss, kann ich zumindest schön die 'Scheissregeln' lesen, die dort an der Wand hängen.

Für die, die es noch nicht wissen: Das ist so ein Poster mit 'Regeln' rund ums Klo. So nach dem Motto: "Aus Speise und Getrank wird Scheiß und Gestank", "Deine Hinterlassenschaften interessieren kein Sau!" ('Hinterlassenschaften?!' An dieser Stelle sollte man sich nicht so zieren und einfach 'Scheiss' sagen. So weit ist es nämlich schon), "In diesem Klo wohnt ein Geist der jedem, der zu lange scheisst, von untem in den Eier beisst..." Ja, so nach dem Motto, halt.

Bevor ihr euch darüber wundert: das Poster ist doch professionell entworfen und erzeugt. Nicht von meinen Mitbewohnern irgendwie nach dem Saufen zusammengebastelt. Was wiederum heißt, mehrere Tausend, wohl Millionen Stück haben sich da draußen in Deutschland breit gemacht. Vielleicht sogar ferner.

Oder doch nicht ferner. Wohl nicht über die Grenzen von Deutschland hinaus. Denn, wenn ich mir das wieder überlege, der Inhalt des Posters ist fast unübersetzbar, zumindest im theoretischen Sinne. Das heißt, ich könnte die Wörter auf Englisch zwar übersetzen (wie wäre es denn mit "Food and drink turn into shit and stink" oder "No-one is interested in what you did in there"?), die hätten einen ganz anderen Klang. Auf Deutsch hören sich diese 'Scheissregeln' nämlich lustig, witzig - wenn auch geschmacklos - an. Auf Englisch sind die einfach nur Schei... ähm, geschmacklos.

Fazit: der Endeffekt... oder, das... Resultat...

Nee. Ganz anders. Fazit: so ein Text auf Englisch hätte ein Effekt, das zu weit wäre vom Originellen, egal wie man den übersetzen würde. Weil: in England interessieren 'Hinterlassenschaften' jeglicher Art ja wirklich keinen (oder „keinen Arsch“).

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