"Lost in Deutschland" vorher

Dieses Blog begann auf Deutsch - im Archiv befinden sich eine ganze Reihe von Texten über das Engländersein in Deutschland - von 2008 bis 2011 sortiert. 2008-2009 wurden zudem Video-Berichterstattungen auf Deutsch zum Thema hier veröffentlicht.

Wednesday, 6 February 2008

Was kann Deutschland Ausländern anbieten?

Heute war ich zu einem höchst interessanten Gespräch an der Universität Dortmund eingeladen. Das Thema: Mediale Integration ethnischer Minderheiten in Deutschland, Kanada, und den USA. Als Englisch-Muttersprachler, der in das Mediengeschäft in Deutschland will, war ich sehr gespannt auf das, was zu besprechen war. Und das Treffen erwies sich in der Tat als sehr interessant.

Natürlich war meistens von türkischen Gemeinden die Rede: wieso sie sich nicht in den Medien wiederfinden können; wieso sie nur mit wenigen Ausnahmen keinen Kontakt zu den Deutschen Print-Medien suchen; wie diese Situation zu verbessern sei. Trotz vieler Gesprächsrichtungen und -abzweigungen, trotz vieler aufschlussreicher Umwege, war der Punkt im Wesentlichen ziemlich simpel: Die deutschen Medienwesen müssen dringend Repräsentanz anstreben. Das heißt, wenn 20 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund hat, müssen die Medien ihre Stellen zu 20 Prozent mit Personen mit Migrationshintergrund besetzen. Dabei würde man aller Art unbequemer Pädagogik oder sprachliche Hemmung bezüglich inneländischer Minderheiten in Zeitungen umgehen können.

Und all das werde ich in den nächsten Tagen dienstlich verarbeiten. Nach der offiziellen Debatte hat sich das Gespräch allerdings darüber hinaus weiterentwickelt. Thema hier war, wie man Minderheiten nicht nur in den Medien, sondern überhaupt integriert. Natürlich war uns vom Gesprächsanpfiff an das Beispiel Amerika sehr nah. Wir haben die USA als Einwanderungsstaat konzipiert. Während Großbritannien und Deutschland sich eher auf Migration umstellen haben müssen, ist die USA vom Anfang an von Einwanderung anhängig gewesen. Natürlich beschimpft man zwar immer die neueste Einwanderungs-Welle, aber letztendlich wird sie doch aufgenommen und dann sind sie die Amerikaner, welche die darauffolgende Welle bei Ankunft beschimpfen.

Wieso vermögen die USA immer wieder Einwanderer aufzuheben, und dann zu „guten“ Amerikanern zu machen? Wieso gelingt diese Aufgabe der USA, während die Deutschen - und, tja, die Engländer teilweise - sich damit so schwer tun? Könnte es daran liegen, dass die USA immer wieder ihre Einwanderer vom American Dream begeistert? Denn viele Immigranten sind stolz, also so richtig stolz darauf, Amerikaner zu sein. Viele arbeiten sich natürlich dort hoch, aber zudem sind auch manche, welche die 'rags to riches' Geschichte nicht erleben, trotzdem auf ihre neue Staatsbürgerschaft sehr stolz.

Deutschland bietet hingegen ein sichereres Sozialsystem, für diejenigen. Einwanderer, die nicht so schnell vorankommen, und viel mehr Hilfe in der Schule und am Arbeitsmarkt. Im Vergleich zu Amerika hat man auch hier dieselbe demokratische 'Freiheit', die vermeintlich immer der Treibmotor der USA gewesen sei. Deutschland mag ja nicht so groß und glänzend sein wie Amerika, das Land hat trotzdem einiges zu bieten.

Aber man kann eben nicht darauf stolz sein, Deutscher zu sein. Patriotismus ist in Amerika hingegen allzu legitim. Bei uns - d.h. in Deutschland sowohl als auch in Großbritannien - hat sich der Patriotismus aus Gründen der Unbequemlichkeit der Geschichte tabuisiert. Die Deutschen tragen immer noch die Verantwortung für den Holocaust. Die britische Geschichte ist ja auch keine flecklose. Die Schotten, die Waliser, die Iren: sie alle sind von den Engländern unterdrückt worden, und darauf basieren ihre Identitäten. Der Engländer, der Brite... naja. Wie war das mit seiner Identität eigentlich nochmal?

Sollten die Deutschen und die Engländer denn vielleicht ein Tick stolzer sein, um Einwanderer wirklich ans Land festzubinden und sie davon zu begeistern? Fangen wir mal folgender-, bescheidenermaßen an: "Leute! Es ist nicht so schlimm hier! Man kann ja wählen, Geld verdienen, und sich fast mühelos mit allem Notwendigen versorgen. Das Gesetz ist hier einigermaßen ordentlich. Ja. Es ist gut hier. So gut, dass wir nicht allzu viel darüber reden möchten, falls wir diese geschichtliche Ausnahme von Frieden und Demokratie irgendwie dadurch verhexen. Immer wieder aufs Holz klopfen."

"Nicht so schlimm"? "Gut"? "Einigermaßen"?So begeistert man ja keinen Mensch. Ist auch gut so. Begeisterung für das eigene Land und Sitten kann nämlich gefährlich sein, wie England/Großbritannien, Deutschland, und jetzt sogar die USA immer wieder beweisen.

1 comment:

denis.schulze said...

Hi du hast da einen richtigen coolen Blog! Gefällt mir sehr! Schau dir doch auch mal meinen Blog an und schreib mir, was du von ihm hälst…
http://denis-schulze.blogspot.com/
würde mich freuen von dir zu hören! Denis