"Lost in Deutschland" vorher

Dieses Blog begann auf Deutsch - im Archiv befinden sich eine ganze Reihe von Texten über das Engländersein in Deutschland - von 2008 bis 2011 sortiert. 2008-2009 wurden zudem Video-Berichterstattungen auf Deutsch zum Thema hier veröffentlicht.

Monday, 27 April 2009

Kakfa: relevanter denn je

Ich wollte nur kurz zwei Texte zum Vergleich stellen.

Einmal In der Strafkolonie, eine von Franz Kafka 1919 veröffentlichte Kurzgeschichte.

Einmal ein Text von der aktuellen ZEIT titels "Die Folterer laufen lassen".

Punkte, an der ich den Vergleich ziehen möchte: der Ort, das Geschehene, die Folgen.

Ort: Die Folter fand nicht auf US-Boden statt, sondern in sogenannten "black sites". Bei Kafka wird ebenfalls nicht im eigentlichen Staat gefoltert, sondern in einem dunklen Tal auf einer abgelegten Insel: in der Strafkolonie, eben.

Das Geschehene: Im ZEIT-Artikel ist die Rede von Folterern, die nicht eigenwillig handelten. Vielmehr hielten sie sich an "peniblen Vorschriften" und einem "Katalog der Grausamkeit", durch "Spitzenjuristen" erstellt. In In der Strafkolonie wird ebenfalls nach einem ausführlich, kühl beschriebenen Verfahren gefoltert.

Die Folgen: Jetzt ist in den USA die Frage, wie man mit den Folterern - und denjenigen, die die Folter gesetzlich "rechtfertigt" haben - umgeht. "Sollen sie ungeschoren davonkommen", fragt die ZEIT und beschreibt, wie Obama "Aufklärung und Amnestie in eins zu setzen" versucht. Dabei setzt er wohl noch auf Amnesie dazu: Die Folter und die Folterer sollen in Vergessenheit geraten. Denn so spart man sich langwierige und image-schädliche Prozesse sowie eine schwierige gesellschaftliche Auseinandersetzung mit diesem gewaltigen Tabubruch.

In In der Strafkolonie geht es schließlich darum, wie die Folter vergessen wird. Aus der Mode geraten, werden die "Verfahren", die die Kriminellen zu einer Art "Erkenntnis" bringen sollten, nicht mehr angewandt.

Kein Folterer wird dabei angeklagt; viel schlimmer, sie werden ignoriert.

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