"Lost in Deutschland" vorher

Dieses Blog begann auf Deutsch - im Archiv befinden sich eine ganze Reihe von Texten über das Engländersein in Deutschland - von 2008 bis 2011 sortiert. 2008-2009 wurden zudem Video-Berichterstattungen auf Deutsch zum Thema hier veröffentlicht.

Tuesday, 23 June 2009

Lost in der Schweiz

"Das wirst du sehen, Brian: Die Schweiz ist Deutschland Grad 10."

Ich hatte gerade beim Ankommen am Zürcher Hauptbahnhof die Sauberkeit kommentiert. Dann sehe ich, wie die eine "S5" abfährt: Zürich, nicht einmal eine Millionenstadt und die hat schon 5, möglicherweise mehr, S-Bahnlinien.

"Ja. Wo es in Deutschland eine S-Bahn-Linie gibt, gibt es in der Schweiz zehn", sagt der Gastgeber.

Deutschland Grad 10, halt. Der Brite findet schon die Bundesrepublik sauber, pünktlich und verkehrstechnisch fortgeschritten; dann steht er im Zürcher Hauptbahnhof und fällt fast um.



An Deutschland findet der Brite übrigens auch die niedrige Kriminalität super. So nach dem Motto: Hier kann man noch einen Regenschirm liegen lassen und der ist zehn Minuten später noch da. Nun sagen das auch viele Deutsche von England - man hat ja Tendenz, solche glückliche Erfahrungen - gerade in einem Land, das man gut findet - überzubewerten.

Doch ist es wirklich laut amtlichen Statistiken so, dass Deutschland ein sichereres Land ist. Und im tagtäglichen Leben, ohne offiziellen Zahlen, merkt man es an diesen Vertrauenskisten in den deutschen Büros. Wer kennt sie nicht, die Holzkisten mit Schokolade und Kaugummi prall gefüllt? Die stehen in Teeküchen landesweit und werden so langsam geleert - gegen Entgelt, natürlich. Irgendwann mal steht eine neue Kiste da und die deutschen Büroangestellten werfen weiterhin Geld rein, auch wenn keiner zuguckt. Vorbildlich.

Würde man das in England versuchen, würde es gar nicht gehen. Ich bin mir da schon immer ziemlich sicher gewesen.

Doch was wohl auch in Deutschland nicht gehen würde - was wohl nur in der Schweiz funktionieren könnte - ist so eine Kiste auf der Straße!



8 comments:

rowi said...

solche Kassen an der Strasse sind in meiner Heimat in Dithmarschen (schleswig-Holstein) völlig normal.
Die Bauern verkaufen ihre Kohlköpfe (und sonstiges geerntetes Gemüse) über Stände die auf der Straße oder Hof stehen und auf denen die Kohlköpfe einfach liegen und daneben eine Kasse in die man seinen Euro steckt.

Brian said...

Super! Dann fahre ich mal raus von meinem Wohnort Hamburg und gehe auf Klauf-Tour... ;-)

Stephan Fritsch said...

Brian, diese Kisten gibt es überall in Deutschland, auch bei uns in Düsseldorf.

Brian said...

Echt?! Wo denn? Die sehe ich nämlich nie...

Martin said...

Hier http://tr.im/uBpw in Dortmund gibt es ein "Blumenfeld zum Selbstpflücken" nach dem selben System... :)

Brian said...

Hätte ich nicht einen Balkon voller Kapuzinerkresseblüten, würde ich sofort hinfahren. Mit vollem Geldbeutel, natüüüürlich.

yewa said...

Hi, Brian,

ich les das grad jetzt erst. Solltest Dich mal ins ferne Bayernland aufmachen. Hier ist es gang & gäbe, alles mögliche so zu verkaufen. Standard ist in München auf jeden Fall die alltägliche Zeitung. Da stehen vier Zeitungskisten nebeneinander an der Straße, für jede Zeitung eine.

Grüße aus dem Münchner Westen!

Brian said...

Zeitung? Die Westfälische Rundshau in Dortmund, wo ich meinen Journalistischen Werdegang angefangen haben, lag auch auf der Straße...

... in gepanzerten Kisten, in die man erstmal einen Euro reinwerfen musste.