"Lost in Deutschland" vorher

Dieses Blog begann auf Deutsch - im Archiv befinden sich eine ganze Reihe von Texten über das Engländersein in Deutschland - von 2008 bis 2011 sortiert. 2008-2009 wurden zudem Video-Berichterstattungen auf Deutsch zum Thema hier veröffentlicht.

Tuesday, 28 July 2009

Deutsche Dienstwagenaffäre und bizarre Spesenabrechnung in Großbritannien

ZEIT-Online haben in Sachen Ulla Schmidt meines Erachtens recht, wenn sie schreiben:

"Ein richtiger handfester Skandal ist es nicht. Ein Verstoß gegen Vorschriften ist es auch nicht."

Zudem sei das Thema sicherlich ohnehin aufgeblasen worden, damit es das Sommerloch stopft. Bin ich auch der Meinung. Recht haben ZEIT-Online aber weiterhin, wenn sie dazuschreiben:

"Ein Problem ist es trotzdem. Ein Problem, sagen wir, der Verhältnismäßigkeit. Zehn Kilometer zu 2500 Kilometer. Darf man das? Man darf. Aber muss man das dann auch tun?"

Denn das ist es, was den Bürgern am ganzen aufstößt. Dass mit Erfolg ein Dienstwagen kommt - und dass man den auch mal privat benutzen darf - gilt gemeinhin als netter Nebeneffekt von Fleiß; das verübelt keinem irgendwer. Doch auffällig ist diese Unverhältnismäßigkeit, Regeln und Vorschriften hin oder her.

Immerhin könnte es schlimmer kommen. In Großbritannien haben Abgeordneten - stinknormale Abgeordneten, nicht mal Minister! - den Vorschriften gemäß Tausende Pfund Steuergelder ausgegeben, um ihre private Häuser rennovieren und schmücken zu lassen. Ein Konservativer gab beispielsweise £1.645 allein für ein Entenhäuschen für seinen Teich aus.

Ein E n t e n h ä u s c h e n , verdammt nochmal!

Das war alles erlaubt unter den alten Vorschriften.

Aber das wissen wir alle schon: Der Mensch hat immer wieder Probleme, wenn es um den Unterschied zwischen Können, Dürfen und Sollen geht. Der Mensch hat z. B. Atomwaffen bauen können (d. h.: wir haben es vermocht, wir waren dazu in der Lage); in einigen Ländern hat man das auch dürfen (sprich: es war rechtens in dem Land von der herrschenden Regierung wegen und keiner im Ausland konnte ein Verbot auflegen); aber hätte man wirklich Atomwaffen bauen sollen?

Es gibt einiges, was wir können; vieles, was wir dürfen: und nur ganz wenig, was wir sollten.

1 comment:

Berthold said...

Vor allem dem letzten Zitat stimme ich zu. Politikverdrossenheit kommt schliesslich nicht von ungefähr. Klar will jeder seine Schäfchen im Trockenen wissen. Klar auch, das jeder Politiker bei der aktuellen Negativstimmung das Gefühl bekommt, alles "Mitnehmen" zu müssen, was irgend geht. Letzten Endes ist es eine rein legislative Frage, ob wir dieses Verhalten weiter tolerieren. Ich sage Nein. Keine "Nebenjobs". Keine Vergünstigungen als Spese. Keine Toleranz für Korruption und Veruntreuung.

Wenn wir das "dürfen" und nach Möglichkeit das "können" weitestgehend beschränken, "machen" die Politiker vielleicht zur Abwechslung ein wenig Politik...