"Lost in Deutschland" vorher

Dieses Blog begann auf Deutsch - im Archiv befinden sich eine ganze Reihe von Texten über das Engländersein in Deutschland - von 2008 bis 2011 sortiert. 2008-2009 wurden zudem Video-Berichterstattungen auf Deutsch zum Thema hier veröffentlicht.

Wednesday, 16 September 2009

Doktor, Doktor!

Um das vorne weg zu sagen, finde ich die gesundheitliche Versorgung in Deutschland ganz prima. Wenn ich höre, was hier Menschen für eine tolle Leistung bekommen, wenn sie krank werden, kann ich nur staunen. Der NHS in Großbritannien möchte ich zwar nicht schlecht reden, denn der ist schon gut. Aber hierzulande zeigt man, dass es noch besser geht.

Ich kenne nämlich Deutsche, die nach jahrelanger Wohnhaftigkeit im UK immer noch auf OPs und Behandlungen nach Deutschland zurückfliegen. Die müssen es wissen.

Eins, was in England anders ist, ist das "GP system". Das heißt, wenn ich krank werde und es ist nicht dermaßen akkut, dass ich direkt ins Krankenhaus muss, gehe ich zum GP (oder "Hausarzt"). Er ist meine Anlaufstelle für alles, also.

Heute morgen wollte ich zum Arzt. Ich hatte nämlich gestern einen Fahrradunfall, bin über den Lenker geflogen und bin auf das rechte Handgelenk geprellt. Anfangs tat es nicht weh und ich - typisch schwer zu behandelnder Mann - bin einfach weitergeradelt und meinen Abendplan verfolgt. Bewegen konnte ich alles. Also keen Ding.

In der Nacht aber tat das Handgelenk sehr weh. Da ich keine Medikamente mag, habe ich keine genommen, aber wurde deswegen von den Schmerzen paarmal wach. Aber nichts zu dolles, muss man sagen. Heute morgen habe ich mich also vorsichtigerweise entschlossen, kurz zum Arzt zu fahren. Eine bekannte von mir hatte sich nämlich den Finger gebrochen, aber stellte das erst nach fünf Tagen und einen verspäteten Arztbesuch fest.

Aber zu welchem Arzt?!

Ich fang bei meinem Hausarzt in der Eimsbüttler Osterstraße 116, einem achtstöckigen Hochhaus voller Ärzte, an. Also, was heißt "mein"? Ich war einmal bei ihm im Winter - mein erster und bis heute letzter Arztbesuch seit Jahren. Dort wurde ich allerdings beraten, zu Hausnummer 59 runterzufahren. Da würde es nämlich einen Orthopäden geben: der sei viel besser qualifiziert.

In dieser Praxis werde ich dann beraten, zum Handgelenkspezialisten zu fahren. Der sei nämlich besser qualifiziert und ganz in der Nähe, in der Osterstraße 116.

Alles klar.

Dann ist alles glatt gelaufen. Eine Stunde, strax: Untersuchung-Röntgen-Besprechung - fertig.

Aber manchmal wünsche mir einen "GP" her, den ich kenne, und der alles über mich weiß. Wobei das wiederum die Schwierigkeit hat, dass er eben nicht mit jeden denkbaren Medezinbereich eng vertraut ist und wohl paar Sachen so übersehen würde.

Aber manchmal - vor allem Dingen, wie ich zum zweiten Mal im Fahrstuhl in der Hausnummer 116 Osterstraße sitze - wünsche ich mir den trotzdem her.

1 comment:

yewa said...

Hm. *smile* Ich hab so einen. Der schickt mich natürlich auch zu Spezialisten, wenns nicht anders geht. Doch er weiß alles über meine Gesund- & Krankheit. Denn er bekommt immer einen Befund vom "weiterbehandelnden" Arzt.

Grüße
Yewa