"Lost in Deutschland" vorher

Dieses Blog begann auf Deutsch - im Archiv befinden sich eine ganze Reihe von Texten über das Engländersein in Deutschland - von 2008 bis 2011 sortiert. 2008-2009 wurden zudem Video-Berichterstattungen auf Deutsch zum Thema hier veröffentlicht.

Tuesday, 29 September 2009

Oktoberfest & Wahlergebnis: Gefühlsachterbahn schlechthin

Boah, das waren fünf heftige Tage.

Mittwoch ging es los nach München. Zum ersten mal in der Bayernmetropole, und das gleich zum Oktoberfest! Aber erstmal gab es an dem Abend eine Riesenwohnung in Schwabing mit Billiardtisch zu bestaunen, dann kam ein kurzer nächtlicher Umzug zu einer Freundin, bei der ich netterweise übernachten durfte. Donnerstag ging es dann in der unbekannten Stadt gleich morgens los mit der Suche nach Lederhosen mit einem begrenzten Budget, die nach vielen Enttäuschungen bei Wiesn, Tracht & Mehr glücklich ausging. Folgte ein kurzer Ausflug zum Spotlight Verlag in Planegg, wo ich mich netterweise umziehen durfte und dann rein ins Getümmel.

Die Größenordnung hat mich am meisten überrascht - und fast eingeschüchtert. Dann aber die Freundlichkeit, die, wie wir während der ersten Berichterstattung erfuhren, sehr ausgeprägt ist. Dann diese Zelte! Dieses Bier! Diese Gemütlichkeit!

Die gesammelte Erfahrungen über einen Wiesnzeitraum von drei schönen sonnigen Tagen erspare ich euch. Ich denke, es ist wohl klar, was ich da so ungefähr betrieben habe. Aber meine tiefe Liebe zur Deutschland wurde bei jedem "Prosit der Gemütlichkeit" noch stärker. "Gemütlichkeit" ist nicht auf Englisch mit einem Wort zu übersetzen - es ist Freundlichkeit, das Urige, das Gesellige, alles im Einen. Und Gemütlichkeit auf dem Oktoberfest ist eben Deutschland erster Sahne.





Allerdings können die Sachen sehr schnell umschlagen. Stellt euch mal vor: sechs Stunden verkarterte Zugreise nach Hamburg und dann diese Hammer-Nachricht, dass wir eine Schwarz-Gelbe-Regierung haben werden. Dazu Regen, Nasskälte, Schietwetter. Es wird ab sofort ungemütlicher in Deutschland.

Vor allem mit Westerwelle. Mit der Kanzlerin bin ich schon nicht einverstanden, aber sie ist noch irgendwie nett. Westerwelle hat aber einen Tonfall darauf, bei dem er sofort umsympatisch wirkt. Und dann wurde ich heute hierauf aufmerksam.

Klar hat Westerwelle eigentlich recht. In der Regel sollte man in Deutschland Deutsch reden. Aber ist es hier nicht einfach ein bisschen kleinlich, zumal klar ist, dass er schon versteht, was man mit ihm redet? Und zumal er zugibt, dass er die Frage schon auf Deutsch beantwortet hat?

Es zeugt nicht von dem, was ich sonst immer an Deutschland schätze, von dieser internationalen Ausrichtung, die wir gerade in England eben nicht haben. Diese schöne Internationalität, die zum Beispiel bedeutet, dass meine Mutter, wenn sie zu Besuch ist, immer jemanden findet, der ihr auf Englisch erklären kann, wie sie vom Flughafen zu mir findet.

Wenn sie zum nächsten Mal kommt, will ich nun mal hoffen, dass sie frisch gelandet nicht zufällig auf Westerwelle - auf denjenigen, der gerne der nächste Außenminister wäre, trifft...

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