"Lost in Deutschland" vorher

Dieses Blog begann auf Deutsch - im Archiv befinden sich eine ganze Reihe von Texten über das Engländersein in Deutschland - von 2008 bis 2011 sortiert. 2008-2009 wurden zudem Video-Berichterstattungen auf Deutsch zum Thema hier veröffentlicht.

Monday, 12 October 2009

Anglizismus-Center Deutsche Bahn

Das Ding mit Anglizismen ist, dass die sich auf den Deutschsprachigen natürlich nicht so auswirken, wie auf den Englischsprachigen.

Zum Beispiel diese Konstruktion "das Ding ist" - für mich eine ganz normale Art, einen Satz auf den Weg zu bringen. Für den Deutschen eine holprige, überflüssige Alternative für "es ist so, dass" und Ähnliches.

Und anders rum gibt es Anglizismen, die sich für das deutsche Ohr besser anhören als für das Englische. Wie im bekannten Beispiel "Bodybag": Denn "Body" für den Deutschen klingt nach Sport, Schweiß und anschließender Schönheit. Für den Engländer ist Body nicht nur "Körper" sondern auch "Leiche" - daher Bodybag als Leichensack.

Das kann der Deutsche natürlich nicht wissen. Und wenn er das Wort in seiner Sprache so einsetzen will, dann sei es ihm auch gegönnt. Das mag sich für den Engländer komisch anhören, aber unsere Sprache ist es nicht und nur die wenigsten von uns geben uns überhaupt die Mühe, sie nur ansatzweise zu lernen.

Doch kann ich mir das Lachen einfach nicht mehr verkneifen, wenn ich englische Wörter plakativ zweckentfremdend eingesetzt sehe. Super-lustig ist immer in der deutschen Lokalpresse zum Beispiel das Wort "City". "Gestern in der Hammer City..."; "Neue Umgehungsstraße für die Soester City"; "Buchholzer City muss neu konzipiert werden". Der Zusammenprall zwischen der deutschen Vorstellung einer City (so in etwa die Stadtmitte von einer Kleinstadt) und meiner Vorstellung einer City (eine Großstadt ab 250.000 Einwohner...) ist einfach zu dolle.

Und noch so ein Wort ist "Center" bei der Deutschen Bahn. Da geht - bzw. kreist es seit einiger Zeit nur noch darum, Anlagen in Centers umzubauen. Neuerdings gesehen in den großstädtischen Hauptbahnhöfen: "Toilet Center".

Dabei ist Center für den Engländer so was wie ein Call-Center, Firmensitz oder große Einkaufspassage: Also keine WCs.

Und aus jeder Fahrkartenausgabe in jedem Bahnhof ist schon längst ein "Reisezentrum" geworden, was ich schon grenzwärtig finde. Denn für mich ist ein Zentrum nicht zwei Schalter in irgendeinem Kaff-Bahnhof. Also: Nichts gegen die Lebenstedter City in der Metropole Salzgitter, aber das hier geht einfach gar nicht:


Ich warte jetzt nur noch darauf, dass diese Hütte in "Travel Center" umbenannt wird mit anliegendem "Toilet Center" - das dann natürlich ebenfalls aus Wellblech und billigem Kunststoff besteht. Oder der vielleicht einfach nur ein Loch im Boden ist.

Aber das Ding mit Anglizismen ist eben auch, dass sie sich chic anhören. Es macht vom Gefühl her schon was aus, ob ich meiner Notdurft in einem "Scheißloch" oder einem "Toilet Center" verrichte.

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