"Lost in Deutschland" vorher

Dieses Blog begann auf Deutsch - im Archiv befinden sich eine ganze Reihe von Texten über das Engländersein in Deutschland - von 2008 bis 2011 sortiert. 2008-2009 wurden zudem Video-Berichterstattungen auf Deutsch zum Thema hier veröffentlicht.

Thursday, 5 November 2009

BIG BEN in Berlin

Mir ist schon sehr früh nach meinem Umzug nach Deutschland aufgefallen, dass hier Autos nach Stadt gekennzeichnet wird. Zuerst habe ich die Logik eines solchen Systems nicht erkannt: Wagen werden nämlich dafür gebaut, dass sie gefahren werden – sprich: sie haben nur in geringem Umfang eine Ortsverbundenheit. Manchmal zieht man um zum Beispiel, mit – und wohl mittels – Wagen, und muss das Ding erstmal neu anmelden und ein neues Schildchen dran schrauben lassen. Was bringt das einem? In Großbritannien wird jeder Neuwagen halt mit einer bedeutungslosen Nummer ausgestattet, die er sein ganzes Leben lang eben behält. Und fertig.

Unterwegs mit Kindern in einem Wagen versteht man aber sofort einen Nutzwert der Stadt-gebundenen Schildchen. Deutschland ist nämlich äußerst kinderfreundlich und der Heimat von vielen pädagogischen Bewegungen internationaler Bedeutung; also gehört es sich natürlich, dass sich die Kleenen auf langwierigen Autobahnfahrten unterwegs mit Städte-Spotting-Spielchen amüsieren und dabei geografische Kenntnisse aneignen können.

Einen anderer Pluspunkt von den deutschen Kennzeichen gegenüber dem von Wurstigkeit durchdrungenen englischen System ist mir aber erst neuerdings auf einen Besuch in die Bundeshauptstadt aufgefallen. Und zwar: Mit dem ersten Buchstaben (in diesem Falle ja das „B“) kann man sich so einiges einfallen lassen, wenn man sein Schildchen personalisieren möchte. Ich musste zugegebenermaßen zunächst von einer adleräugigen Freundin darauf aufmerksam gemacht werden – anhand des Beispiels „B IG“ – aber danach merkte ich so manch eine einfallsreiche Kennzeichnung. Am geilsten fand ich „B MX“ (wohl ein begeisterter Fahrradfahrer) sowie „B RI“ – unter 3,4 Millionen Berlinern müssen paar wie ich „Brian“ heißen – und das selbstreflexive „B KA“ – wobei das Schild muss ja wohl noch in Karlsruhe überprüft werden wie eben das Gesetz zur Kraftfahrzeugüberwachung.

Solche Spaßmöglichkeiten waren mir in Dortmund, Münster und Hamburg noch nie aufgefallen – denn „DO“, „MS“ und insbesondere „HH“ geben nicht viel her. Es sei denn, man heißt irgendwie Heinz Heinemann oder so, aber das versteht dir eh keiner. Ich werde aber bei meinen nächsten Düsseldorf- und Köln-Besuchen besser aufpassen; da kann man schon paar gute Sachen machen, denke ich mir mal.

2 comments:

Tine said...

und dann gibt's ja noch die Spaß-Abkürzungen. also BOR ist nicht Borken sondern Bauern ohne Rücksicht. Oder HSK wird dann zu Hilfe, sie kommen!
Das Phanomen ist immer in großstädten zu beobachten, die sich über die umliegenden Landkeise amüsieren.

yewa said...

Du hast in DO noch nie Do-pe gesehen?

In Lüdenscheid war zu damaligen Zeiten auch LS-D sehr beliebt.

Bei mir prangt der mir persönlich wichtige Buchstabe Y mit Geburtstag und -monat bzw. -jahr, so daß ich meine Fahrzeuge am besten nebeneinander parke. ;)