"Lost in Deutschland" vorher

Dieses Blog begann auf Deutsch - im Archiv befinden sich eine ganze Reihe von Texten über das Engländersein in Deutschland - von 2008 bis 2011 sortiert. 2008-2009 wurden zudem Video-Berichterstattungen auf Deutsch zum Thema hier veröffentlicht.

Saturday, 27 February 2010

Andingsen

Wie oft habe ich schon darüber gebloggt, wie ich sehr den logischen Aufbau der deutschen Sprache schätze? Hmm... schon einmal in diesem Jahr auf jeden Fall.

Also brauche ich mich nicht allzu sehr zu wiederholen. Es reicht wohl wenn ich schreibe, dass ich dieses Baukastensystem sehr mag - also das mit ab-, an-, er-, herunter-, mit- & Co. plus Verb. Funktioniert prima.

Doch wie in allen guten Systemen gibt es Stellen, wo alles zusammenfließt, wo Ineffizienz hervorkommt - sogenannten Flaschenhälse sind das.

Und einen davon kann man im Deutschen sehr schnell ausfindig machen: an- + Verb mit Bedeutung, sich mit jemanden anlegen, jemanden herunterputzen.

Hier eine Liste von Beispielen, die ich diese Woche gelesen oder gehört habe:

anfauchen,
anmotzen,
anpflaumen,
anfahren,
anschnauzen
und
- das Schönste überhaupt -
ankacken.

Natürlich hat hier das Englische zahlreiche Synonyme - to go at, to have a go at, to lay into, to blow at, to jump on, to crazy at fallen mir beispielsweise sofort ein. Was man aber sofort merkt: Das sind unterschiedliche Konstruktionen - und da haben wir im Deutschen nur bei der einen Konstruktion schon sechs Synonyme (und ich wette mit euch, die zahlreichen deutschen Mundarten können locker weitere sechs dazuspülen...).

Heftig.

Wie soll man da auswählen? Na gut, "ankacken" brauche ich im Vorstellungsgespräch als Assistent im Kanzleramt nicht rauspacken, is' klar. Aber ansonsten.

Ich bleibe der Einfachheit halber bei "andingsen".

1 comment:

frank bravo said...

Anpissen gehört auch dazu. Pissen wird in der deutschen wie in der englischen Umgangssprache gern verwendet. "Verpiss dich" entspricht erstaunlich präzise dem englischen "piss off". Beim Partizip fangen die Unterschiede an. Zu "pissed" für betrunken gibt es im Deutschen keine Entsprechung. Da muss noch was dazu kommen wie in "bepisst". Das bedeutet aber keineswegs alkoholisiert und auch nicht mit Urin besudelt, sondern wird heute meistens im Sinne von "wir haben uns bepisst vor Lachen" (laughing one's head off) verwendet. "Angepisst" sagt man in der Regel für "verärgert". Um zu vermeiden, angepisst zu sein, weil man angepisst wird kann man den Anpisser vollpissen, was allerdings zugegebenermaßen sehr schlechtes Benehmen ist, denn damit kommt richtige Pisse in's Spiel.