"Lost in Deutschland" vorher

Dieses Blog begann auf Deutsch - im Archiv befinden sich eine ganze Reihe von Texten über das Engländersein in Deutschland - von 2008 bis 2011 sortiert. 2008-2009 wurden zudem Video-Berichterstattungen auf Deutsch zum Thema hier veröffentlicht.

Tuesday, 23 March 2010

Städtebahnen


Es ist ein Thema, das mich - und wohl so einige Deutsche - immer wieder faszinieren wird: Die U-, Straßen- bzw Stadtbahn (nicht mit der S-Bahn zu verwechseln!).

Das ist der Begriff für diese lustigen halb-oberirdisch-halb-unterirdische ÖPNV-Dinge, die in vielen deutschen Städten unterwegs sind. Die fahren mal auf der Straße, mal in Tunneln, mal einfach so durch die Gegend, und sind somit weder richtige Straßen- noch U-Bahnen. Erstere fahren nämlich nur auf der Straße mit den Autos ohne eigene Strecken, und die gibt es nur in vergleichsweise wenig Städten wie Berlin und München. Und Letztere müssen zwar nicht immer unterirdisch fahren - können sogar einige Meter oben in der Luft fahren - aber müssen immer eigene, von allen anderen Verkehrsmitteln abgeschnittene Strecken haben, so wie in Berlin, Hamburg, München usw.

Doch sagen nur die wenigsten im täglichen Sprachgebrauch "Stadtbahn". In Düsseldorf zum Beispiel sagt man zu allem Straßenbahn oder U-Bahn, davon abhängig, wo man startet und wie. Das wurde auch jahrelang dadurch gefördert, dass die unterirdischen Stadtbahnlinien unter dem Hauptbahnhof mit "U-Bahn" ausgeschildert wurden. Wohl der verständigungstechnischen Einfachheit sowie der weltmännisch-weltstädtischen Konnotationen halber.

Jetzt nach der Rennovierung im Hauptbahnhof heißt alles aber schön korrekt - und wie schon woanders in Düsseldorf und Umgebung - "Stadbahn": allerdings mit einem U, denn die Leute werden nach wie vor U-Bahn zu den Dingern sagen. Fahren sie doch teilweise unterirdisch.


Thursday, 18 March 2010

Deutsche Humorlosigkeit (?)

Gibt es die, die berühmte deutsche Humorlosigkeit, die nicht nur Ausländer sondern auch mal die Deutschen sich selbt bescheinigen?

Tendenziell sag ich da "nein". Die Deutschen kommen mir umgekehrt oft genug als urkomisches Volk vor, ein Volk, dass sich gerne vergnügt und für jeden Spaß zu haben ist. Vor allem genau an der Stelle, wo der Außenstehender nicht merkt, das es lustig sein soll. Deswegen lacht Loriot vor der Kamera nicht: Der Spaßfaktor soll mit fingierte Ernsthaftigkeit noch gesteigert werden.

In dem Sinne habe ich auf mein XING-Profil unter Organisationszugehörigkeiten einen imaginären Verein stehen, der VEmBgT, oder: Verein Eimsbüttler mit Balkon gegen Tauben. Denn: wie so einige Menschen die ich kenne, ich wohne in Eimsbüttel, habe einen Balkon und Tauben nerven. Und den Verein gibt es aus diesem Grund inoffiziell. Und das ist ja ein Kerngebiet der deutschen Humor: Die Übertreibung ins Absurde, die versuchte Organisation des Nichtzuorganisierenden.

Das hat eine gewisse Michaela Schalk gestern Abend zur späten Stunde aber gar nicht mehr verstanden. In einer XING-Nachricht mit der Betreffszeile "Was ist das denn bitte für ein Verein?" schnauzt mich die mir bisher unbekannte Frau Schalk an, man solle "eher eine für alle Lebenswesen positive Lösung finden".

Äh, war das jetzt der deutsche Humor, bewusst überdreht und voller fingierte Ernsthaftigkeit?

Oder hat die Frau Schalk das halt nicht verstanden?

Und - moment mal, *Blick auf ihr Profil* - arbeitet die Frau Schalk nicht für McDonalds? Ein Unternehmen, das sich dermaßen für "für alle Lebenswesen positive Lösungen" begeistern kann, das es ganze Regenwälder abholzt, Tiere in genozidmäßiger Zahl schlachtet und noch oben drauf Kinder weltweit adipös macht?

Oder ist auch das Teil eines sehr deutschen Witzes?

Monday, 15 March 2010

Faszination Messe

Letzte Woche war ich auf der ITB in Berlin unterwegs, der weltweit größten Tourismus-Messe. Die war erwartungsgemäß Reizüberflutung pur - Geräusche, Gerüche und Ansichten von fast jedem Land auf der Erde, die sich alle binnen wenigen Stunden auf einen aufzwingen; Hinz und Kunz da unterwegs, jede erdenkliche Sprache durch die Hallen schallend... Hammer.

Die Messe: die verstehen die Deutschen so richtig zu inszenieren, und das merken die anderen. In Hannover gibt es CeBIT, die weltweit bedeutendste Informatik-Messe, in Frankfurt findet die weltgrößte Buchmesse immer statt: Sonst sind die größten Sachen üblicherweise in den USA oder zunehmend China zu finden. Aber mit Messen kennen sich die Deutschen aus.

Sie haben ja den Begriff erfunden: "Messe". Da brauchen die Engländer viele Wörter - "trade fair" für die Veranstalung und "exhibition centre" für den Veranstaltungsort - und die reichen irgendwie nicht an die Bedeutung von "Messe" heran. Die Messe ist ein wichtiger Bestandteil fast jeder deutschen Großstadt, immer im ÖPNV-Netz fest verankert und architektonisch immer, äh, imposant. Und nicht nur hat jede Stadt eine, jede Stadt hat zudem ihre Themengebiete: Von Hunden in Dortmund zu Spielzeug in Nürnberg über so einigen Sachen von mehr oder minder Bedeutung.

Im U.K. dahingegen gibt es in Birmingham das NEC und in London Earls Court, und das war's irgendwie. Medienwirksam und vom großen Publikum beliebt sind auf jeden Fall die Ideal Home Show (Häuser und Einrichtung stellen so was wie einen britischen Fetisch dar) und die Boat Show, aber da war es dann irgendwie auch.

Nein, die Messe ist eine deutsche Sache schlechthin. Führt sie doch auch viele Eigenschaften von Deutschland heute zusammen: ein nicht zu übertreffendes Organisationsvermögen, der selbstverständliche Großeinsatz von öffentlichen Verkehrsmitteln und eine ungezwungene und freundliche Internationalität.



Für die Bilder danke ich Flickr-User schrottie (oben) und der ITB (unten)

Wednesday, 3 March 2010

Wir sind in der Mehrzahl

Heute beim Übersetzen wurde es mir wieder klar, wie schwer sich Deutsche - vor allem deutsche Gastronomen - mit der korrekten Mehrzahl tun.

Das Problem: Als ob das im Deutschen schon nicht kompliziert genug wäre (z. B. Laus - Läuser aber Laut - Laute; Gürtel - Gürtel aber Klingel - Klingeln...) kommen da wie Duden die nennt "Fremdwörter" zu.

Und weil "Wörter mit Migrationshintergrund", wie ich die lieber nenne, sich integrieren müssen, brauchen sie eine Mehrzahl. Nur ist es oft so, dass diese Wörter schon in der Mehrzahl sind, wenn sie im Deutschen aufgenommen werden - so als ob der zuständige Beamte in der Einwanderungsbehörde den Nachnamen falsch buchstabiert hätte, wie das so manchmal vorkommen kann.

Beispiel: Spaghetti

Fast alles im Italienischen, was mit "i" endet, ist schon Mehrzahl. Darüber hinaus muss Spaghetti quasi immer in der Mehrzahl sein - wer braucht denn ein "Spaghetto"? Die Deutschen brauchen aber oftmals mehrere "Spaghettis". Aber die Portionen hierzulande sind ja etwas größer.

Beispiel von heute: Mandorle

Im Italienischen ist ebenfalls die "e"-Endung oft ein Plural. Doch heute las ich "Mandorles".

Wobei die Engländer da auch mal Schindluder treiben: Vor einigen Jahren wurden in meinem Geburtsland "panini" (pl. von panino oder "Brötchen") schlagartig zum Renner und jetzt bietet jedes zweites Café trockene, überteure "paninis" an.

Bäh! Sowohl geschmacklich als auch sprachlich.