"Lost in Deutschland" vorher

Dieses Blog begann auf Deutsch - im Archiv befinden sich eine ganze Reihe von Texten über das Engländersein in Deutschland - von 2008 bis 2011 sortiert. 2008-2009 wurden zudem Video-Berichterstattungen auf Deutsch zum Thema hier veröffentlicht.

Wednesday, 28 April 2010

Fahrradland Deutschland

Es gibt so einige Sachen, über die ich als Engländer auch nach zwei Jahren in Deutschland nicht Bescheid weiß.

Zum Beispiel: Man sollte in den nicht-hügeligen Städten Deutschlands nicht zum Frühlingsauftakt, seinem Fahrrad eine kleine Wartungseinheit zu unterziehen. Das habe ich heute gelernt. Denn jedes Fahrradgeschäft, in das ich reingelaufen bin, sagt: "Wir haben keine Termine".

Termine?

Fahrradgeschäft?

In England sind Fahrradgeschäftinhaber verpeilte Ex-Hippies, die soviel Hasch rauchen, dass sie allein bei der Erwähnung des sich sehr businessmäßig anhörenden Wortes "Termin" Schweißausbrüche kriegen würden (es hieße natürlich auf English nicht "Termin" sondern "appointment" oder "slot").

Die Deutschen Fahrradmechaniker (ich nenne die einfach mal so, weil es bestimmt eine Ausbildung gibt, die so heißt) sehen zwar so aus, müssen aber - weil sie nun mal in Deutschland arbeiten - professioneller agieren.

Denn der deutsche Kunde, der mit TÜV eines der weltweit strengsten Autosicherheitstests ohne zu meckern jedes zweites Jahr über sich ergehen lässt, fährt nichts, was nicht top gepflegt ist. Über Winter hat das Rad wohl gelitten und jetzt muss es wieder fahrbereit gemacht werden. Anders kann ich mir nicht erklären, dass mein übliches Fahrradgeschäft in diesen Tagen mit mir einen Termin ausmachen will, wo ich doch sonst normalerweise einfach vorbeifahre und dass Ding kurz abgebe.

Der deutsche Fahrradfahrer: der wäscht wohl sein Rad jeden Samstag und lässt einen TÜV-Aufkleber daraufbadgen.

4 comments:

Anonymous said...

Kein Witz: In Deutschland gibt es den Ausbildungsberuf "Zweirad-Mechaniker", Fachrichtung Fahrradtechnik tatsächlich.

Und wir sind ja so straff durchorganisiert, dass die meisten Schulhöfen so aussehen: http://www.martinusschule-kaster.de/08verkehrserz4.htm

Und jedes Schulkind kriegt in der 4. Klasse einen Fahrrad-Kurs und erlangt auf diese Weise den Fahrrad-Füherschein. Die grüne Minna steht dann in der Klasse und verlickert alle wichtigen Verkehrszeichen theoretisch und auf den Schulhöfen wird dann vorschriftsmässiges Abbiegen und so Zeugs geübt. Ausführlich wird das im Artikel hier erklärt:
http://www.main-netz.de/nachrichten/region/wertheim/wertheim/art4003,1032354

Drillt man in England die nunmehr verkehrstüchtigen Kinder auch in dieser Art?

Brian said...

Hey cool! "Zweirad-Mechaniker" - sprachlich noch geiler, als ich mir das vorgestellt hatte.

In Sachen Drillen: Ja, sowas hatten wir auch bei mir in der Grundschule ca. 1991-1992. Wir durften alle die Fahrräder mitbringen und so einen Kurs mitmachen.

Es gab aber keinen Führerschein! Das ist aber sehr Deutsch - ihr habt ja auch "Hundeführerscheine"...

Anonymous said...

Hundeführerscheine sind bei uns leider keine Pflicht wie in der Schweiz - dort wurde er Pflicht ab 2008 und ab 2010 muss man diesen bereits VOR dem Kauf eines Hundes ablegen.

Da lob ich mir die Schweiz!

Ich könnt mir da den Mund fusselig reden, vor allem weil es überhaupt keine sogenannten Kampfhunde gibt, wie es den Anschein hat. Es gibt viel mehr falsche Halter und falsche Haltung für bestimmte Rassen. Ursache und Wirkung halt - und da wundert sich dann die Öffentlichkeit, wenn es zu blutigen Zwischenfällen kommt?

Madam said...

Falsche "Haltung" gibt's bei Kindern ja auch. Sind dann die Kinder, die anderen Leuten später die Köpfe eintreten.

Aber zum Fahrrad. Der Andrang hat vielleicht auch mit dem 1. Mai zu tun. Da fiets ja halb Deutschland durchs Land.