"Lost in Deutschland" vorher

Dieses Blog begann auf Deutsch - im Archiv befinden sich eine ganze Reihe von Texten über das Engländersein in Deutschland - von 2008 bis 2011 sortiert. 2008-2009 wurden zudem Video-Berichterstattungen auf Deutsch zum Thema hier veröffentlicht.

Monday, 3 May 2010

"Kommen Sie bitte pünktlich zur Mai-Krawalle!"

Die hat was sehr Deutsches, diese Mai-Krawalle. Obwohl sie einerseits gewaltätig und unordentlich ist, was ja für meine Wahlheimat eher untypisch ist, ist sie auch einigen strengen Regeln der Organisation unterworfen, auf eine Art und Weise, worauf das in kaum einem anderen Land vorstellbar ist.

Wenn mal mal drüber nachdenkt: So was passiert nur in Berlin-Kreuzberg und in Hamburg in der Schanze und nur in der Nacht zur ersten Mai (gut, in HH auch noch zum Schanzenfest, aber das war's dann auch).


Das muss man sich mal vorstellen: gewaltbereite Menschen, die sinnlos Sachen zerstören wollen, eine ganze Stadt zur Verfügung und 364 Tage, an denen die Polizei eben nicht so schnell reagieren könnte. Aber alle finden sich schön pünktlich zum Sonnenuntergang in die vorher festgelegten Straßenzüge ein und dann geht es wie besprochen los. Es gibt Krawalle, Remmi-demmi und Feuer, und dann gehen fast alle nach Hause. Ein paar werden ärztlich versorgt und keiner stirbt.

Ich vergleiche das mit den Erfahrungen, die 2005 in Paris während den Unruhen gesammelt habe, wo gar nichts nach Termin lief und wo sich die Gewalt schnell in andere Viertel ausbreitete und denk': Nur in Deutschland.

Am 30. April sowie am 1. Mai war ich feiern, beide Nächte durch, und beide Nächte nie mehr als einen Kilometer von der Schanze entfernt. Und mit der Ausnahme von einigen Polizeiwagen habe ich wenig mitbekommen - und nichts abbekommen.

Vielleicht wurde ich ausgeladen vom Verein Mai-Krawalle - den muss es ja geben, sind wir doch in Deutschland.

(Foto - Flickr-Nutzer Master_Mojo)

1 comment:

Madam said...

Herzhaft gelacht. Stimmt. Organisierter Krawall - that's my Heimat.