"Lost in Deutschland" vorher

Dieses Blog begann auf Deutsch - im Archiv befinden sich eine ganze Reihe von Texten über das Engländersein in Deutschland - von 2008 bis 2011 sortiert. 2008-2009 wurden zudem Video-Berichterstattungen auf Deutsch zum Thema hier veröffentlicht.

Friday, 23 July 2010

Das Buch steht

Ein guter Freund von mir aus England, der trotz einer nicht unbeachtlichen Sprachbegabung letztendlich Physiker geworden ist, hat oft gesagt, er als Laier möge die schlichte Wucht der deutschen Sprache.

Beispiel nennt er aus den Texten zu klassischer Musik - da kommen seine Deutschkentnisse her. Was ja heißt, dass er eine passable Wehklage um Brünhild über die Lippen bringen kann, aber noch nicht in der Lage ist, ein Brötchen zu bestellen. Aber nun gut.

Woran er besonderes Gefallen finde: Dass das Deutsche immer noch auch in der gesprochenen Sprache das schlichte Präsens verwendet. Im Englischen muss ich fast immer die zusammegesetzte Form nehmen: also "we are eating" und nicht "we eat" oder "we are standing" und nicht "we stand". Weniger Wörter, dafür mehr Ausdruckskraft habe das Deutsche, so der Freund, der allzu offenbar nie in Deutschland lebt und nicht um Wörter wie "Verpflegungsmehraufwendungentagespauschale" weißt.

Aber in einigen Fällen stimmt's.

So ein schlicht-schöner Satz voller breiten, kräftigen Vokalen, dass diesem Freund bestimmt gefallen würde: Das Buch steht.

Es ist so weit! Ab diesem Wochenende darf ich nicht mehr an dem Lost-in-Deutschland-Buchmanusprikt rumfeilen. Ab in den Satz! (Bei dem Satz ebenfalls freut sich der Fan deutscher Schlichtheit)

Und wer lesen will, wie ich aus dem schon unaussprechbaren obigen Wort Verpflegungsmehraufwendungentagespauschale ein noch größeres Monstrum baue, so wie andere belustigende Angelegenheiten und unterhaltsamen Erfahrungen, der kann immer noch bis zum 13. September bei Amazon vorbestellen.

Danach kann er ja auch bestellen: aber dann ist es nicht mehr vorbestellen, eben.

Thursday, 15 July 2010

Harkortstraße 2.0

Vor gut achtzehn Monaten, nur zwei Tagen nach Neujahr, als der Schnee über Deutschland lag und man eigentlich überhaupt nicht draußen verweilen wollte, war ich zu Fuß in einer den meisten Bundesbürger gleichgültigen Gegend unterwegs: In Dortmund-Hombruch, einem 0815 vorortsmäßigen Stadtteil, wo nichts Kirmes/Straßenfest/Weihnachtsmarkt war, wo kein Glühwein angeboten wurde, und wo ich selber nicht einmal mehr wohnte (was ich allerdings einem Jahr davor sechs Wochen getan hatte).

Warum? Warum nur? Selbst aus Liebe zu einem zwar völlig durchschnittlichen aber sehr nettem Stadtteil würde man an diesem eiskalten Tag nicht Stunden draußen stehen.

Es sei denn, man wollte dem Namen "Harkort" auf den Grund gehen. Denn in Hombruch und in der Gegend südlich von Dortmund, merkte ich, dass der Name "Harkort" ziemlich oft vorkommt. Einen Harkortsee gibt es dort, und in Hombruch eine Harkortschule, den Harkortbogen und die Harkortstraße. Wer war Harkort? fragte ich mich - die Antwort ist hier zu sehen.


Nun an einem der heißesten Tagen des Jahres fuhr ich in Hamburg-Altona einen ungewöhnlichen Weg zum Elbestrand - dem Verkehr an der Max-Brauer-Alle (Name auch schon recherchiert!) wollte ich aus dem Weg gehen und bog also in die Haubachstraße ein. War so ungefähr pimadaum die richtige Richtung.

Rausgespuckt hat sie mich an der Kreuzung der Julius-Leber und - richtig - der Harkortstraße.

Die mußte ich trotz Hitze und der Lust, sofort ans Wasser zu kommen, an der Stelle mal längsfahren. Gemäß ihrem Namensgeber war sie industriell mit Gründerzeit-Zwecksbauten aus rotem Klinker. Relativ unspannend, es sei denn, man kennt Harkort und weiß, wie wichtig er war.

Tuesday, 6 July 2010

Dr. Schlandlove: Or how I learned to stop worrying and love the flag!

Die WM geht für Deutschland leider weiter und ich darf zur Zeit journalistisch für meine Kunden nichts machen, was nichts mit ihr zu tun hätte.

Man könnte also denken, ich würde mich hier austoben und alles schreiben, was ich nirgendwo sonst loswerden kann. Falsche Annahme!

So allgegenwärtig ist dieses WM-Dings, dass selbst Fußball-Muffer mythisch tiefer Überzeugung wie meine Wenigkeit über nichts anderes reden und denken können.

Auch nicht meine Freunde bei It's My Pocket e.K., eine Neugründung meiner lieblings Kamera-Kollegen, die kleine maßangefertigte Taschen mit Inhalten für alle Bedarfsfälle verkauft - inklusive Fan-Bedarfsfällen.

Tja, man will einer Freundin einen Gefallen tun und lässt sich mal abblicken für ihre Website. Und dann werden die WM-Taschen in Schwarz-Rot-Gelb ausgehändigt und es wird "'Schland" geschrieen.

Boah, so was niveauloses. Aber ich musste da als Freund voll einsteigen, damit das Foto aussieht. Und musste gleich nachher erstmal ein Six-Pack Oettinger leeren und meinen strähnigen Pennerhund anschreien. Mit dem Pfandgeld von den sechs - und vielen anderen auf dem Weg gesammelten - Flasche ging es los zur nächsten Bude, wo ich mir eine schöne Vuvuzela-Tröte holte.

Wenn schon assig, denn mal richtig assig.

Foto: Janine L. Thun