"Lost in Deutschland" vorher

Dieses Blog begann auf Deutsch - im Archiv befinden sich eine ganze Reihe von Texten über das Engländersein in Deutschland - von 2008 bis 2011 sortiert. 2008-2009 wurden zudem Video-Berichterstattungen auf Deutsch zum Thema hier veröffentlicht.

Wednesday, 22 December 2010

Goodbye Rheingold!


Sonntagnachmittag am Münsteraner Hauptbahnhof, circa 17:00. Es ist die blaue Stunde, in einigen Minuten wird es stockfinster sein: nur der Schnee wird vielleicht noch ein bisschen Mondlicht spiegeln - wenn er überhaupt durch die schneiende Wolkendecke durchblickt.

Ich warte auf einen verspäteten IC nach Hamburg. Die Fernzüge in Richtung Norden fahren immer vom Gleis 12 ab, das komischerweise vom Gleis 9 am selben Bahnsteig gegenüberliegt. Am Gleis 9 fahren dann die ICs in die andere Richtung, und in Münster kreuzen sich meistens die Züge in Richtung Norden und Süden.

Weil an diesem verschneiten Nachmittag beide eine ähnliche Verspätung haben, werden sie sich wohl trotzdem kreuzen.

Unserer Zug fährt ein. Laut Anzeigetafel ist es ein Ersatzzug, was mich nicht wundert, denn die ganzen ICs sind noch störungsanfälliger als die ICEs und fallen komplett aus, sobald sie nur eine Schneewolke sehen. An die IC-Ersatzzüge auf der Strecke habe ich mich in letzer Zeit gewohnt: Meistens paar Wagen kürzer, oft ohne Steuerwagen, und mit manchmal (aus heutiger Sicht) eher abenteuerlichen Farbkombinationen in der Inneneinrichtung.

In die andere Richtung zur gleichen Zeit, 'erhält der verspätete IC 2717 nach Köln Einfahrt', wie es in Bahndurchsagedeutsch heißt, wenn ein Zug spät eintrifft. Hierbei handelt es sich ebenfalls um einen Ersatzzug: Und was für einen!

Denn es fährt nicht irgendwelcher Ersatzzug ein, sondern: Der Rheingold!

In Originallackierung, mit dem dazugehörigen alten E-Lok und den Aussichtswagen (und drei verloren-aussehenden RB-Wagen hintendran).


Wie geil ist das denn bitte?

Früher habe ich immer Freunden aus der alten Heimat gegenüber behauptet, Deutschland sei besser organisiert als Großbritannien. In meinem Heimatland hätte die Bahn es ja nicht so drauf mit Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, und schon beim Blätterfall im Herbst würde es mit den Verspätungen, Ausfällen und komischen Ausreden losgehen. Da hätten die Deutschen es verstanden, wie man den Zugverkehr zu stellen hat.

Nun nach Jahren Sparpolitik und Börsengangvorbereitung stimmt das Null. Aber ich kann trotzdem darauf hinweisen, dass die Ersatzzüge hier doch klasse sind.
Für die Fotos danke ich den Flickr-Usern Gregorius Mundus und kbs478.

2 comments:

Nat said...

hehe =)

click clack gorilla said...

Despite it all...sparpolitik hin oder her...its all still better than America. Did I tell you about how the bus stops there are unmarked benches? Apparently you need to be initiated into the secrets of the buses before daring to ride them. Oh, and they don't stop unless you pull the string, but they don't announce the coming stop either, or have a sign listing them anywhere. The DB could probably abuse me quite badly before I'd stop calling it efficient.